Presseartikel vom 23.02.2018

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Bisher wird die Heinrich-Albertz-Schule von Grundschülern besucht. Jetzt stellen Sie Über-legungen an, das Angebot um die Sekundarstufe l, also die Jahrgangsstufen 5 bis 10, zu erweitern. Warum?

Der Schulelternrat ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt „Können wir in diese Richtung etwas machen?" Viele Eltern, und auch wir Lehrer, würden es gerne sehen, wenn die Schüler auch in höheren Jahrgangsstufen von unserem besonderen Schulkonzeptes profitieren. Bei uns wird Inklusion anders gelebt als an anderen Schulen. Da sitzen zum Beispiel zwei Schüler nebeneinander, von denen der eine das Zählen bis zehn lernt und der andere sich mit Winkelberechnungen beschäftigt. Hinzu kommt unser besonderes evangelisches Profil.

Warum wagen Sie ausgerechnet jetzt den Vorstoß für eine Sek I-Erweiterung der Schule?

Die Chance ist da, das Thema anzugehen, weil die Stadt jetzt den Schulentwicklungsplan fortschreibt und damit die Weichen für die Schullandschaft der nächsten Jahre gestellt werden. Ich würde mich freuen, wenn der Rat der Stadt die Erweiterung der Schule möglich machen würde. Auf Landesebene hat die Große Koalition ja deutlich gemacht, dass ihr das Thema Bildung besonders wichtig ist. Dem könnte man nun bei uns in der Stadt Taten folgen lassen. Ich habe auch schon Landesbischof Christoph Meyns angeschrieben, der mir sagte, es solle ein klarer politischer Wille formuliert werden, dann könne man über das Thema Sek I weitersprechen.

Weshalb ist die Formulierung eines politischen Willens denn so wichtig? Die Albertz-Schule ist doch eine Privatschule.

Ich könnte mir vorstellen, dass aus der Schule wieder eine staatliche Schule wird, allerdings mit klarem evangelischen Profil. In diesem Gedankenspiel würde das Land das Personal bezahlen, die Stadt das Gebäude stellen und die Landeskirche Mittel zur Verfügung stellen, die Erhalt und Weiterentwicklung unseres Konzepts des sozialen und inklusiven Lernens ermöglichen, so wie wir es schon heute leben. Ich denke, dass das für die Kirche leistbar wäre und auch für die Stadt interessant sein sollte. Schließlich hat sich die Schule in den vergangenen zehn Jahren zu einem Aushängeschild der Stadt entwickelt. Und zur kinder- und familienfreundlichen Stadt Salzgitter würde eine solche Schule gut passen.

Glauben Sie, dass Sie mit der Idee offenen Türen einrennen? Schließlich hatten Sie keinen leichten Stand, als die Schule vor zehn Jahren aufgebaut wurde.

Ja, das stimmt. Besonders die ersten drei Jahre ohne Landeshilfen waren nur schwer zu überstehen. Aber damals unterstützte uns unter anderem Oberbürgermeister Klingebiel, was ich ihm bis heute hoch anrechne. Die Zustimmung zur Schule hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. 2008 haben wir mit 14 Schülern angefangen. Im nächsten Schuljahr sind es mehr als 70. Und wir haben Wartelisten. Und wir sind auch stolz darauf, regelmäßig Landessieger bei Wettbewerben wie Jugend forscht, Schüler experimentieren oder Mathe-Olympiaden zu stellen.

Aber warum streben Sie denn eine staatliche Trägerschaft an? Dann würde Ihr Schulkonzept in der bisherigen Form womöglich doch gar nicht mehr funktionieren.

Wenn Stadt und Land sagen, wir wollen so eine Schule, so wie ich sie beschrieben habe, müsste es in meiner Vorstellung weiterhin Freiheiten wie bei einer eigenverantwortlichen Schule geben. Dazu zählt zum Beispiel die Lehrerauswahl. Denn längst nicht jeder Lehrer kann oder will in der Form unterrichten, wie wir das tun. Der Vorteil wäre, wenn die Schule in staatliche Trägerschaft überginge, dass es den Wettbewerb wie in der jetzigen Form nicht mehr geben würde. Bei uns sind die Verdienstmöglichkeiten zum Beispiel andere als an staatlichen Schulen.

Die Zahl der Schüler würde mit Sek.- I-Stufe deutlich steigen. Wie viele Schüler wären es denn und wo sollten sie unterrichtet werden?

Wenn wir von zweizügigen Lerngruppen in der Sek. I ausgehen, wären es etwa 300 Kinder plus 150 Grundschüler. Maximal dürften es also 450 Schüler sein. Sonst ginge auch die gesamte Beziehungskultur, wie wir sie jetzt leben, verloren. Die jetzt genutzten Gebäude kämen für so viele Schüler nicht infrage. Wir bräuchten einen alternativen Standort mit entsprechender Raumkapazität und auch eine Mensa, um als gebundene Ganztagsschule auftreten zu können. Hinzu käme ein größerer Versammlungsraum, den wir etwa für Andachten und Wochenabschlüsse benötigen. Und eine Kirche sollte in der Nähe sein.

Sie würden also vorschlagen, einen bestehenden Schulkomplex für die neue Heinrich-Albertz-Schule zu nutzen. Wo könnte das sein und in welchem Zeitraum ließe sich eine solche Schule eröffnen?

Über einen geeigneten Standort müsste mit der Politik gesprochen werden. Für die Erstellung eines detaillierten Konzepts und der Suche nach geeigneten Lehrkräften müssten schon zwei Jahre veranschlagt werden.

Sie sind jetzt 6o Jahre alt, stehen vermutlich wenige Jahre vor der Pensionierung. Ist dieses Projekt, auch mit Blick auf eine mögliche Verstaatlichung der Schule, ein Versuch, Ihr Lebenswerk zu retten?

Ein gewisses Eigeninteresse verfolge ich natürlich schon. Es wäre einfach schön, mit diesen tollen Schülern an der Heinrich-Albertz-Schule auch nach der vierten Klasse weiterarbeiten zu dürfen. Was mich persönlich angeht, so werde ich vermutlich in vier, fünf Jahren in den Ruhestand gehen. Meine Nachfolge ist allerdings schon seit geraumer Zeit geregelt. Matthias Rehse, seit 2011 bei uns an der Schule, soll die Leitung übernehmen. Die Albertz-Schule kann auch als Grundschule weiterbestehen. Es wäre aber im Sinne der Schüler einfach schön, das bestehende Konzept weiterentwickeln zu können.

Adresse dieses Artikels:
https://www.salzgitter-zeitung.de/salzgitter/lebenstedt-thiede/article213529827 /Schulleiter-Gerd-Meiborg-will-Albertz-Schule-erweitern.html
Foto: Bernward Comes

 

 

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